9 Mai 2010

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Lautheitsrennen in den Klangmatsch

 

Die kalifornische Funkrock- und Alternative-Rockband Red Hot Chili Peppers, die zu den erfolgreichsten Vertretern des Crossover zählt, zeigt in „Californication“ ein besonders extremes Beispiel für maximale Lautheit. Das Stück verfügt noch über 3 bis 4 Dezibel Dynamik – die lautesten Signalspitzen sind ungefähr 1,5 mal lauter als die Durchschnittslautstärke und überschreiten dabei zeitweise das digitale Clipping:

 

 

Einer, der etwas von audiophilen Produktionen versteht, ist der Engineer, Autor und Audio Guru Bob Katz. Er verdeutlicht das Problem folgendermaßen: „In den Achtzigern, als die CD sich durchsetzte, hatten wir bis zum Lautstärkelimit der CD bei 0 dB noch einen Headroom von 6 bis 8 dB. Dem Originalmix während des Masterings Lautstärke hinzuzugeben war deshalb ungefährlich. „Viele Künstler wollen ihre Produkte lauter haben als die der Konkurrenz, weil sie sich davon mehr Aufmerksamkeit versprechen.”

Masteringprofi Friedemann Tischmeyer zur Sache: „Der Loudness War ist für mich wie eine Naturkatastrophe, wie eine Art akustischer Umweltverschmutzung.“

Und auf die Frage:“Klingt ein stark komprimierter Mix nicht druckvoller?“
“Wir müssen von dem Fehlglauben weg. Überkompression nimmt den Punch und bringt den Matsch.
Es ist ein Gewöhnungsprozess und die Sensibilität ist zum Teil auch bei den Engineers schon verloren gegangen. Auch die sind dazu aufgerufen, sich mal wieder kräftig die Ohren zu waschen und sich mal bei einem lautheitskompensierten A/B-Vergleich anzuhören, was man mit dynamischem Sound eigentlich für einen Impact erreichen kann. Nämlich viel mehr Impact und Druck als dieser ganze Schwachsinn: “dicke Wurst” gleich Druck. “Dicke Wurst” gleich Matsch!
Übrigens: Mit „dicker Wurst“ ist hier die Wellenform gemeint; je dicker, desto weniger Dynamik.
Wem das alles zu theoretisch ist, der schaue sich den folgenden Clip an, hier wird visualisiert, wie man aus einer dünnen Wurst eine dicke macht:

 

 

Wer´s immer noch nicht glaubt, der höre sich über eine vernünftige Mittelklasse-HiFi-Anlage eine CD-Pressung aus den 80ern im Vergleich mit einem Remaster aus dem neuen Jahrtausend an. Im Focus: Klangtiefe und Dynamik.

Auf der anderen Seite – Lautheitsrennen in den Klangmatsch

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8 Mai 2010

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Power to the Bauer?

Neulich in Puddingtown
Samstagnacht auf der A 2. Kurz vor der freundlichen Baustelle am Teutoburger Wald: Stau. Lost in Puddingtown-Bielefeld. Um der plötzlich aufkommenden üblen Laune Herr zu werden, greife ich zu den CD´s. Hm – Arctic Monkeys. Kann man ja ´mal hören. Aufgeschlossen wie man ist.

 

 

Arctic Monkeys
Is´ jetz´ zwar nicht unbedingt meine Musik, hört sich aber erst mal gaaar nicht sooo schlecht an. Ordentlich Power für die Ohren – vor allen Dingen viel Druck. Das hilft einem a bisserl über den Stau-Frust hinweg. Na gut, na gut – ich kürze die Story jetzt ´mal ab.
Jung, dynamisch, unverschämt…
Schauen Sie sich die Aufnahmen von Arctic Monkeys, Iggy Pop oder Oasis ´mal auf der heimischen High End Anlage an. Nein, das war kein Tippfehler. Falls Ihre Anlage eine Aussteuerungsanzeige besitzt, werden Sie feststellen, dass sich eben diese Anzeige kaum bewegt. Wenn Sie sich die Lieder anhören wollen, weil Sie tapfer sind und Ihre Anlage Kummer gewohnt ist, werden Sie sie hören. Genauer gesagt: Sie werden sie nicht hören. Die Dynamik. Die ist nämlich (fast) gar nicht vorhanden.

Was das bedeutet? Hören Sie sich mal ein paar Stücke von den Dire Straits an. Oder zum Beispiel von Tracy Chapman. Wenn Sie gerade keine zur Hand haben, finden Sie Ausschnitte auf der entsprechenden Website (Dire Straits oder Tracy Chapman)

 

Ja nee, schon klar – völlig andere Musikrichtung. Aber darum ging´s auch nicht. Es ging um die Dynamik. Dazu hier mehr.

 

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