1 Aug 2010

Gepostet von in Dies und das | Keine Kommentare

Erfolg für kriminell Blöde?

Dieter Hildebrandt, seines Zeichens Kabarettist, geht hart mit Bohlens Personality-Show DSDS ins Gericht. Erfolgsformate wie Dieter Bohlens Personality-Show “Deutschland sucht den Superstar” würden dumpfe Stammtisch-Instinkte bedienen, kritisiert Hildebrandt in einem Interview mit der “Süddeutschen Zeitung” und analysiert wie folgt: “Bohlen ist geradezu kriminell blöde. Das basiert auf einem ganz niederen Level – und auf der Tatsache, dass mindestens 90 Prozent der Bevölkerung Schadenfreude empfinden. Und diese Schadenfreude nutzen er und seine Kumpanen aus, indem sie Menschen holen, die man brutal ausnutzt. Den Kandidaten macht man vor, sie könnten Stars werden, aber in Wirklichkeit setzt man auf den gegenteiligen Effekt: Man will sie vor der ganzen Welt bloßstellen und blamieren. Man nimmt Ihnen die Würde, um damit einen Riesenlacher zu erzeugen. Das ist kriminell.”
Naja, Herr Hildebrandt – das ist nicht unbedingt eine neue Erkenntnis, RTL wurde schließlich schon vor Jahren nachdrücklich von Jugendschützern auf die sehr zweifelhaften „Ergebnisse“ des Erfolgformates des Senders hingewiesen.

Interessanter ist da schon die Frage, warum DSDS keine wirklich erfolgreichen Acts hervorbringt wie z. B. das amerikanische Castingformat “American Idol”, während die von der Jury verhöhnten und untalentierten Kandidaten mittlerweile tingeln und entgegen jeglicher Vermutung – Geld kassieren?
Die Antwort ist offensichtlich, es liegt am deutschen Publikum.
Das ist nämlich nicht wirklich an Gesangstalenten interessiert, sondern wohl eher an Klamauk-Veranstaltungen ( „Das Dschungelcamp“). Es geht  ganz offensichtlich nicht darum, einen befähigten Sänger zu entdecken, sondern darum, die Menschen vor den Bildschirmen zu unterhalten – und das funktioniert mit einem Gemisch aus fiesen Sprüchen und untalentierten Kandidaten, die eben diesem Publikum als Looser vorgeführt werden, sehr gut.
“American Idol” – Kandidaten wie Kelly Clarkson schafften es in die Top 100 der amerikanischen Charts und gewannen Grammys, während hierzulande kaum noch jemand von Tobias Regner oder Elli Erl spricht.
Allerdings gibt es in den letzten Jahren  mehrere „erfolgreiche Verlierer“, wie Menderes Bagci, “Ich hab die Haare schön”-Johanna und schließlich Mario “Yoda” Teusch, die in einem enger gesteckten Rahmen auch “Erfolg” haben.
Solange man z. B. bei t-online lesen kann: „Dieter Bohlen geht mit zwei weiteren Juroren weiterhin auf die Suche nach tollen Musiktalenten. Diese werden durch die Castings geschleust und die Spreu vom Weizen getrennt.“ (t-online, 23.07.2010, 8:34 Uhr | bas), muss man sich nicht wundern. Es gibt genügend Dumme, die das glauben. Kriminell ist also nicht eigentlich Bohlen. Der ist nur ziemlich bauernschlau. Aber ein großer Teil der deutschen Zuschauer und der Medien sind charakterarm. Gelinde ausgedrückt.

Kommentar verfassen