12 Okt 2010

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Hilfen für den guten Mix – Kopfhörer?

Kürzlich fand ich in einem Musik-Forum eine Fragestellung, die immer wieder ´mal gestellt wird:
„Ich habe bereits mehrfache Beiträge gefunden, in denen von der Nutzung von Kopfhörern zum Abmischen abgeraten wird, allerdings ohne Begründung. Warum sollen Kopfhörer zum Mixing ungeeignet sein?“

Ist  ja auch nicht unmittelbar einleuchtend. Schließlich benötigt man weder ein akustisch optimiertes Studio noch muss man teure Monitore anschaffen. Die Lösung „Kopfhörer zum Abmischen“ ist platzsparend, kostengünstig und flexibel, weil transportabel. Und – Kopfhörer ab einer bestimmten Preisklasse haben traumhafte technische Werte.
Die Antwort auf die oben gestellte Frage ließ nicht lange auf sich warten:
„1) mit kopfhörern  auf hast du ein seeehr breites stereodreieck. von daher wirken sachen schnell zu breit oder nervig, wenn sie nur von einer seite kommen. man neigt dazu richtung mono zu mischen.
2) geschlossene kopfhörer sperren ja nicht nur den sound ein, sondern auch jeden raumeindruck aus. das heisst dass alle aufnahmen trockener wirken als über boxen. in weiterer folge neigt man dazu zu hallig zu mischen, um dem entgegen zu wirken.“

Im Zusammenhang mit einem Kopfhörer von einem Stereodreieck zu sprechen ist schon etwas abenteuerlich, im zweiten Punkt allerdings hat der „Experte“ recht.  Man ist vom druckvollen Sound im Kopfhörer begeistert und auch das Panorama scheint phantastisch zu sein. Dieser Eindruck beschränkt  sich allerdings lediglich auf den Kopfhörer selbst, weil er alle Raumfaktoren wie z. B. Hall, Reflexionen und Raumwellen ausschließt.
Wenn man im Sweet-Spot eines Lautsprecherpaares sitzt (was oben unter Punkt 1 wohl gemeint war), erreicht der Schall ja nicht nur unsere Ohren, sondern wird durch die Formung des Kopfes gebeugt, sogar die Ohrmuscheln verändern den Schall. Laufzeit und Pegeldifferenzen bei der Benutzung von Monitoren geben dem Gehirn wichtig Informationen über Größe und Beschaffenheit des Raumes, die beim Einsatz von Kopfhören entfallen.
Darüber hinaus ermüdet das Ohr beim Einsatz eines Kopfhörers sehr schnell  – man gewöhnt sich an Störendes und empfindet dies nicht mehr als unangenehm.
Fazit: Hört man einen Kopfhörermix  über  Lautsprechern ab, klingt er fast immer grottenschlecht. Das Panorama ist zusammengestaucht und wirkt fast monophon, der Bass ist erbarmungslos überbetont  und von der erwünschten Brillanz bei den Höhen ist nichts zu hören.
Umgekehrt klingt es. Meistens.
Was wirklich immer hilft:

  • Man höre sich während des Mischens professionelle Produktionen an, die man gut kennt  und vergleiche sie mit der eigenen Arbeit.
  • Man verändere in unregelmäßigen Zeitabständen den Abhörpegel von sehr leise bis laut und umgekehrt.

Dann wird’s was mit dem Mix. Und dem Nachbarn.

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