9 Dez 2011

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Starlight Express und kein Ende?

Starlight Express und kein Ende?

Starlight Express:

Das sind atemberaubende und artistisch-tänzerische Höchstleistungen auf einer „Bühne“, die sich durch die Zuschauerränge hindurch schlängelt, gespickt mit Hightech Effekten, einer 9 Tonnen schweren, hydraulisch bewegten Brücke, die sich zeitweise über den Köpfen der Darsteller bewegt, ein Wettrennen singender Lokomotiven, das ist Andrew Lloyd Webbers “Starlight Express”.

Die Story dieses wahrscheinlich weltweit erfolgreichsten Musicals ist schnell erzählt:  Eines Abends wird ein (imaginäres) Kind von seiner Mutter ermahnt, das Spielen mit der Eisenbahn zu beenden und zu Bett zu gehen, worauf dieses – wer hätte etwas anderes erwartet – von Lokomotiven und Eisenbahnwaggons träumt.  Hauptrollen spielen sowohl im Traum, als auch auf der Bühne „Rusty“, die Dampflokomotive und „Pearl“ , der 1.-Klasse-Waggon. Pearl trennt sich vom gehänselten und verspotteten Rusty und hängt sich an Electra, die moderne, arrogante E-Lok, die – oh Wunder – das Rennen verliert, Rusty gewinnt nach einer visionären Begegnung mit dem Starlight Express und hat Pearl wieder.


Alles durch den Glauben an sich selbst – mit Selbstvertrauen und Durchsetzungskraft wird´s schon klappen:
„Du allein hast die Kraft tief in dir
Und wenn du an dich glaubst
Dann kann alles gescheh`n…“
Zumindest bei dem männlichen Part – die weiblichen Waggons sind ja schließlich nur die auf die Lokomotive angewiesenen Anhänger, die man bei Bedarf abhängen und auswechseln kann (Dinah, die nach dem ersten Rennen von Greaseball abgekuppelt wird).

Rollenklischees?  Ein kleines bisschen Sexismus?
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Etwas trivial?
Die Frage stellt sich nicht. Nicht im Starlight Express.
Bei dem ursprünglich als Filmmusik für Kinder geplanten und dann zur Liebesgeschichte mutierten Projekt liegen die Schwerpunkte völlig anders.
Zum Beispiel auf der gefühlvoll vorgetragene Ballade „Nur mit ihm“.
Oder auf der majestätischen, hydraulisch gesteuerten „Main Bridge“, die während der Vorstellung gedreht und abgesenkt werden kann – die Darsteller bewegen sich mithilfe dieser Brücke auf einer zusätzlichen Ebene,  bevor sie mit rasantem Tempo über bewegliche „Sprungbretter“ durch Bühnennebel durch die Zuschauerränge flitzen.
Oder auf den aufwändigen Laser- und fulminanten Lightshow Effekten mit funkelnden Sternenhimmel und der musikalischen Vielfalt verschiedenster Stilrichtungen wie Country- und Westernmusik, Blues- und Gospelballade und beinhartem Rock’n’Roll in einem Arrangement aus modernen und klassischen Musikelementen.
Oder auf der Personifizierung von Zügen und Waggons und der genialen Idee, die märchenhaft kostümierten Akteure auf Rollschuhe zu stellen und mit über 70 km/h direkt durch das beeindruckte Publikum flitzen zu lassen.
Soweit alles gut?
Na ja – man könnte auch ein bischen maulen.
Zum Beispiel über das Missverhältnis immenser Eintrittspreise („Qualität hat ihren Preis“)  und der Qualität der Klangübertragung, die nicht überall zufriedenstellend ist genausowenig wie das Textverständnis des vorrangig englischsprachigen Ensembles.

Aber die Texte aus Starlight Express, die von den zwischenzeitlich nach Luft ringenden Rollschuh-Akrobaten gesungen werden, sind wahrscheinlich ohnehin nicht wirklich wichtig.
Backstage:

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