Amateure

7 Tipps, wie Sie Amateurproduktionen erkennen können.

In Zeiten immer billigerer Produktionsgeräte und – möglichkeiten schießen die Amateurstudios wie Pilze aus dem Boden. Wenn man die Produktionen hört, weiß man ziemlich schnell, dass hier kein Profi am Werke war – weder beim Aufnehmen noch beim Mischen und auch nicht beim Mastern.
Wenn man selber professioneller klingende Aufnahmen erarbeiten möchte, ist es von großer Wichtigkeit, diese Amateurfehler zu kennen.

1. Vocals

Wenn man über Gesangsleistungen spricht, meint man häufig die Intonation und Techniken wie z. B. richtigen Einsatz des Vibratos. Kaum jemand redet über den dynamischen, kraftgespannten Gesang – womit ich die Änderung des Stimmvolumens an der richtigen Stelle meine. Dies hat viel mit Kontrolle und Selbstdisziplin zu tun, und mit dem richtigen Mikrofonabstand zur richtigen Zeit. Anfänger versuchen dann schon `mal, aus 30 cm Entfernung emotional zu flüstern oder mit dem Korb am Mund Tina Turner zu interpretieren. Sie sollten vor Beginn der Aufnahme eingewiesen werden (Atempausen, laute/leise Passagen usw.)

2. Indifferente Stimme

Der Zuhörer hat ein elementares Recht darauf, den Gesang/die Sprache verstehen zu können. Gründe für schlecht zu verstehende Vocals:
Der Nahbesprechungseffekt. Je näher der Sänger am Mikrofon ist, desto mehr werden die tieferen Frequenzen angehoben. Abstand heißt die Devise.
Falsches EQing. Häufig werden beim Mischen die hohen Frequenzen zu stark angehoben, weil man den Song auf diese Weise verbessern möchte. Hier würde man einen wirklich guten EQ benötigen, der die finanziellen Möglichkeiten vieler „Home-Studios“ sprengen dürfte.
Ein gefühlvolles, breitbandiges Absenken der Mitten tut`s meistens auch – und es klingt.   Wichtig ist es auch eine Vocalspur durch Absenken der tiefen Frequenzen (unter ca. 120 Hz) “aufzuräumen” und durch eine geringfügige Anhebung bei ca. 4,5 kHz die Sprachverständlichkeit etwas zu verbessern.
Womit wir gleich beim nächsten Problem wären: Der Königsdisziplin, dem Hall. Richtig dosierter Hall kann eine Aufnahme veredeln. Zu viel Hall wird jede Aufnahme, besonders aber die Vocalspur vermatschen. In den aktuellen Produktionen wird Hall nur sehr sparsam eingesetzt, es kommt darauf an, die Stimme näher an das Ohr des Zuhörers zu bringen, nicht darauf, sie zu entfernen. Und – billige Effektgeräte klingen auch billig. Hier sollte man sich einmal bei den VST – Plugins umschauen. Es gibt tatsächlich gutklingende Freeware Plugins, wie z. B. im Hallbereich das SIR oder im Dynamikbereich Plugins von Kjaerhus Audio. Aber das wissen Sie ja schon, weil Sie schon hier waren.
Viele Anfänger denken zu wenig über ihren Aufnahmeraum nach. Wenn er nicht akustisch optimiert ist, taugt er nicht für hochwertige Aufnahmen. Allerdings bedeutet ein schlecht klingender Raum nicht gleich automatisch eine minderwertige Aufnahme. Viele kommerzielle Alben sind in solchen suboptimalen Umgebungen aufgenommen worden. Es wurde dann freilich darauf geachtet, dass sich der Raumklang, der in den Aufnahmen zu hören ist, in Grenzen hält. Um den Einfluss des Raumklangs möglichst gering zu halten, sollte man Mikrofone mit Nieren- oder Achter-Charakteristik benutzen und möglichst dicht an der Schallquelle mikrofonieren.

3. Timing

Professionelle Musiker üben oftmals sehr lange, bevor sie ins Studio gehen. Bei Amateuren fällt das Üben aus vielerlei Gründen unter den Tisch. Timingfehler lassen sich im Mix nur mit sehr viel Zeitaufwand korrigieren. Wer professionell klingen will, der muss nach Perfektion streben und darf keine Fehler in den finalen Spuren haben. Ein einziger Fehler kann einen Song schon als eine Amateur-Mischung entlarven.

4.  Life is Life

Im Sequenzer erstellt Instrumente, die z. B. mit einem Keyboard oder einer Soundkarte erzeugt wurden,  hören sich leicht künstlich an. In der Pop- und Rock-Musik sind die dynamischen Anforderungen höher und der Hörer ist an natürliche, dynamische und nuancierte Sounds von den Instrumenten gewohnt. Der Amateur-Mix ist am einfachsten an der Ride Cymbal oder der Snare Drum, an der Gitarre und an den Bläsern (Saxofon) zu hören.

5. Dumpfer Sound durch basslastige Mischung

Wir sind bei dem Kardinalfehler des Amateurs angelangt: Ein Mix, dessen tiefe Frequenzen sprunghaft, bzw. pumpend klingen und den Rest des Mixes überlagern, hervorgerufen durch zu starke Anhebung der tiefen Frequenzen oder durch falsche Einstellungswerte am Kompressor.

6. Lautstärke und Sound der Drums

In einer Band ist das Schlagzeug das am schwierigsten aufzunehmende Instrument. Jedes einzelne Element der Aufnahmekette kann das Ergebnis enorm beeinflussen: der Raum, die einzelnen Drums, die verwendeten Mikrofone (und selbstverständlich auch die Performance des Drummers). Hier muss jede Menge technischer Aufwand getrieben und viel Zeit investiert werden. Aber selbst wenn man nicht mit den großen Studios mithalten kann, sollte man zumindest auf eine gute Balance der Einzelsounds bei der Aufnahme bzw. bei der Abmischung achten. In manchen Fällen (bei einem gut klingenden Aufnahmeraum) kann auch eine Stereomikrofonierung ausreichen.

7. So `ne Maske

Dieses Problem betrifft das Arrangement und die Produktion. Teile einer Musik-Produktion oder bestimmte Instrumente können an Abgrenzung zu anderen verlieren, wenn sie nicht einen eigenen Platz im Arrangement zugewiesen bekommen. Diese Erscheinung ist typisch für Amateur-Produktionen, weil viele noch während der Aufnahmen an den Songs schreiben und neue Teile hinzufügen, anstatt im Vorfeld der Aufnahmen das Arrangement zu strukturieren und an die Erfordernisse des Songs anzupassen.
Wenn man also feststellt, dass sich die einzelnen Spuren oder Instrumente im Mix nicht richtig voneinander absetzen können, dann ist es an der Zeit, sich Gedanken um das Arrangement zu machen.