Mastering

Mastering Tutorial

Sie sehen vor sich ein kleines Tutorial über „die Königsklasse des Musikproduzierens“, das Mastering:  Das gemischte Audiomaterial (einzelne Songs) werden geschnitten (Songanfang- und Ende) und Anwählpunkte der Songs für die Master – CD gesetzt. Anschließend werden die Songs auf die Monokompatibilität überwacht und nachbearbeitet für mehr Klarheit und mehr Druck. Anschließend werden die einzelnen Songs in der Lautstärke angepasst.
Bevor der eigentliche Masteringprozess überhaupt beginnen kann, müssen die Spuren natürlich gut abgemischt sein, weil das Mastering dazu dient, Feinheiten zu korrigieren und nicht dazu, einen schlechten Mix zu verbessern. Je besser der Mix (z. B. aus Cubase heraus) gelungen ist, desto weniger Masteringschritte müssen durchgeführt werden.

Zunächst exportiert man seinen fertigen Mix mit ca. -3dB Headroom in einer (möglichst) 32 bit Wavedatei in einen speziell dafür angelegten Mixdownordner.  Anschließend kann diese Datei in einem Audioeditor wie Samplitude oder Wavelab bearbeitet werden.

Erste Maßnahme: Man entfernt  den DC-Offset (Gleichstromanteile in der Aufnahme).

Kjaerhus EQ

Am Beginn des Mastering Prozesses steht das Equalizing. In dieser Phase benötigt man lediglich 2 möglichst steilflankige Bänder für einen High- bzw. Lowcut (20 kHz bzw. 30 – 40 Hz). Hierfür kann man beispielsweise den REQ oder die Linear Phase EQs von Waves benutzen,die diese Bedingungen erfüllt. Das Abtrennen der tiefen Frequenzen ist notwendig, um ungewollte Störgeräusche zu entfernen, akustisch Relevantes passiert hier nicht mehr. Im restlichen Spektrum sollten nur marginale Änderungen (bis maximal 0,3 oder 0,4 dB) vorgenommen werden, auch wenn solche Anhebungen oder Absenkungen minimal erscheinen. Bedenken Sie, dass im Regelfall in der Masteringkette noch einige “Lautmacher” folgen, die auch derartig geringfügige Änderungen deutlich verstärken.

Im nächsten Schritt wird ein Multiband Kompressor eingesetzt. Der schafft den benötigten Headroom. Gut geeignet ist hierfür z. B. der Waves C 4. Ich gehe davon aus, dass vor dem Einsatz des Kompressors einzelne Passagen (z. B. zu leise Intros o. ä.) per Gainanhebung bearbeitet wurden. Der Multibandkompressor teilt den hörbaren Frequenzbereich in verschiedene Abschnitte, z. b. Bass – Mitten – Höhen ein. Man kann diese PlugIns durchaus mit Klangreglern vergleichen. Hier gilt es, mit sehr viel “Fingerspitzengefühl” oder besser “Fledermausohren” zu arbeiten. Ein wenig zu viel kann eine Menge Vorarbeit zunichte machen. Auch an dieser Stelle empfehle ich den A/B Vergleich mit guten Profiproduktionen.
Anschließend sollte man mit einem 8 – 10 Band EQ (Waves Q 10) evtl. vorhandene Störfrequenzen im Mittelhochtonbereich herauszufiltern.
Das funktioniert so:Waves C4
Man stellt den Gain auf ca. 10 bis 15 dB ein, den Q-Wert (Bandbreite) auf ca. 50. Wenn man nun langsam die Frequenzen abfährt, hört man deutlich evtl. vorhandene Artefakte und Störgeräusche. Diese Bereiche kann man danach möglichst schmalbandig absenken. Kritische Frequenzen sind 800 Hz, 2 kHz, 4 kHz und 8 kHz. Hier sollte man sehr genau hinhören, hier ist auch ein hochwertiger Kopfhörer erlaubt. Will man zusätzlich etwas “Wärme” hinzufügen, nimmt man folgende Einstellungen vor: bei 275Hz 1-2dB dazugeben, bei 3kHz 1-2dB herausnehmen.
Es folgt einer der wichtigsten Schritte: Die Phase der Klangformung. Hier kommt es nicht mehr auf Klangneutralität an, hier wird kreativ am Klang gearbeitet.

Beispiel: In vielen Mischungen ist der Bassbereich um 90 – 100 Hz zu fett, der Subbassbereich um 60 Hz zu mager gemischt. Hier kann man durch eine entsprechende Manipulation den Bass zum Arbeiten bringen. Ist im Mix die Stimme unterrepräsentiert, hilft häufig eine Anhbung bei 4 oder 5 kHz.
Ein wenig “Glanz” kann man der Produktion durch eine leichte Anhebung bei 12 – 13 kHz verleihen. Alternativ lässt sich, wie unten beschrieben, ein Exciter einsetzen. Auch hier gilt: Mit Fingerspitzengefühl arbeiten, zu viel Anhebung führt zu einem unangenehm scharfen Klangbild.

Damit durch die eben entfernten Frequenzen kein „mattes“ oder „stumpfes“ Klangbild entsteht, kommt jetzt ein Exciter zum Einsatz. Der fügt u. a. dem Klangbild Obertöne wieder hinzu. Hierzu kann man den Izotope von Ozone benutzen, mit dem man auch gleich die Stereobreite (Phasenauslöschungen) bearbeiten kann – wichtig besonders im Bassbereich, da hier leicht „Druck“ verloren gehen kann. Frequenzen bis 150 Hz kann man ohnehin mono fahren, da

eine Stereoortung in diesem Bereich nicht möglich ist.

Das nächste Plugin kann ein „Vinagewarmer“ (z. B. von PSP oder der Warmifier von Voxengo) sein, damit dem Sound etwas „Wärme“ zugeführt wird. Dies ist allerdings reine Geschmacksache, zumal niemand den Begriff „Wärme“ in einem Mix erklären kann.

Am Ende der Kette steht der Limiter. Bei richtigem Einsatz werden digitale Übersteuerungen (Overs) vermieden und die Mischung bekommt die richtige „Lautheit“.  Zunächst schaut man, wie viel Headroom vorhanden ist, dazu lässt man den Limiter auf 0 dB stehen. Der Output Regler wird auf etwa – 0,3 dB eingestellt, weil sonst Clips nicht auszuschließen sind. Der Threshold Regler kann dann entsprechend dem vorhandenen Headroom herunter gezogen werden – an dieser Stelle ist (wieder einmal) extrem viel Fingerspitzengefühl angesagt. Die meisten Limiter sind in der Lage, von 24
oder 32 Bit auf die erforderlichen 16 Bit zu konvertieren (Dithering, Shaping).
Nach diesem allerletzten Schritt sollte – außer einer evtl.Normalisierung – keine weitere Bearbeitung mehr  erfolgen.Vorsichtshalber sollte man sich das Ergebnis seiner Arbeit in einem Analyser optisch darstellen lassen, um Fehler, die man vielleicht überhört hat, zu korrigieren. Dann allerdings geht das Spiel von vorne los. Deshalb rate ich dazu, einen solchen Analyser auch zwischendurch einzusetzen.
Abschließend möchte ich betonen, dass es viele verschiedene Wege gibt, auf denen man zu einem brauchbaren und vorzeigbaren Ergebnis kommt. Ich bevorzuge allerdings den oben beschriebenen.

Das Tutorial stammt in den Grundzügen von Jorgo Tsekouras (www.ugm-records.de) und wurde von mir erweitert.