Vocals

Vocals: Das große Missverständnis

„Haste ma´ n Bier da?“ ist eine gern gestellte Frage, bevor es mit den Gesangsaufnahmen los geht. Die Reaktion auf meinen verständnislosen Blick: „Dann geht das besser mit dem Singen…“
Ist das wirklich so? Kann man leicht angetrunken besser singen? Singt Amy Winehouse betrunken wirklich besser?

Die Wirkung des Alkohols hängt (wie viele wissen) von der aufgenommenen Menge ab: Bei geringeren Mengen (bis 0,3 Promille) lässt sich eine enthemmende Wirkung mit Steigerung der Redseligkeit feststellen, die Aufmerksamkeit nimmt genauso wie die Reaktionsfähigkeit ab. Dafür nimmt die Erhöhung der Risikobereitschaft deutlich zu (0,5 Promille). Ab 0,8 Promille kommt es zu Gleichgewichtsstörungen und zum Tunnelblick (Einengung des Gesichtsfeldes), bei noch größeren Mengen steigt die Aggressivität und es kommt zu Sprachstörungen. Das besondere Problem bei alkoholischen Getränken ist, dass man sie leicht in großen Mengen zu sich nimmt. Bei einem Liter Bier am Tag gehört man noch nicht einmal zu den „richtigen“ Biertrinkern. Und auch beim Wein oder Sekt bleibt es selten bei einem Glas.

Aber kann eine geringere Menge nicht locker machen und stimmungsaufhellend sein, was letztendlich dem Gesang zugute kommt?

Ist es nicht so, dass man besser improvisieren kann und die tiefen Töne voller klingen (weil die Stimmbänder anschwellen)?
Auch hier ist die Antwort klar: Strebt man einen möglichst klaren Ton und eine deutliche Artikulation sowie ein perfekte Intonation an, ist Alkohol kein guter Partner. Er verschlechtert sehr schnell den Muskeltonus und die Konzentration. Alk lässt die Hemmschwelle (s. o.) sinken, dadurch wird sich der Konsument lockerer und frei fühlen, aber er schränkt ebenfalls sein Urteilsvermögen ein und plötzlich meint er außergewöhnlich gut singen, Gitarre spielen oder tanzen zu können. Ich behaupte, dass die Selbstüberschätzung exponentiell mit der konsumierten Menge an Alkohol steigt. Neben der Hybris spielen auch die Kontrolleinbußen im Gesangsapparat bzw. in den notwendigen Gliedmaßen eine entscheidende Rolle, die dazu führen, das man sein Instrument (wozu natürlich auch die Stimme gehört) nicht mehr beherrscht. Es widerspricht sich vollkommen, dass man unter Einfluss eines betäubend wirkenden “Präparats” besser singen oder spielen kann.

Was viele nicht wissen:

Alkohol enthält nach Fett die meisten Kalorien. Jedes Gramm Alkohol liefert 7 kcal. Ein Liter Bier enthält ca. 470 kcal und eine Flasche Sekt (0,75 Liter) ca. 600 kcal. Zum Vergleich: Eine Tafel Schokolade liefert ca. 530 kcal. Alkohol verlangsamt den Fettstoffwechsel des Körpers. Da Alkohol für den Körper in größeren Mengen ein Gift ist, wird er mit Priorität abgebaut. Während dieser Zeit wird weniger Fett vom Körper verbraucht und mehr Fett im Fettgewebe eingelagert. Alkohol verdrängt also Fette und Kohlenhydrate aus der Energiebedarfsdeckung.
Alkohol lässt einen Sänger genauso wenig besser singen, wie man unter Alkohol besser Auto fahren kann. Und so kommt es, dass die am häufigsten gebrauchten Worte in einer Kneipe lauten:
Kanufahrn (Kann noch fahren!)
Flur (Wie viel Uhr?)
Schlange… (Schon lange nicht mehr gesehen)
Eishockey (Alles O.K.)
Wirsing (Wiedersehn)

In diesem Sinne – bis zum zweiten Teil von „Vocals“.

PS:

Über die möglichen Folgen des Alkoholkonsums

(Glosse)

In der Bar des Empire State Building trinken zwei Männer ziemlich viel Alkohol. Sagt der eine: “Wissen Sie, ich habe herausgefunden, wenn man von hier oben runterspringt, weht in Höhe der 10. Etage  so ein starker Wind, dass man um das Haus herum und in ein Fenster wieder hinein geschleudert wird”.

Der Barkeeper schaut etwas besorgt drein und der andere Mann meint nur: “Blödsinn.” “Nein”, sagt der erste, “ich werde es beweisen”. Er läuft zum Fenster und springt hinaus. Wirklich, als er in Höhe des 10. Stockwerks vorbeifliegt, bläst ihn ein heftiger Wind ums Gebäude herum und in ein Fenster wieder hinein. Zurück in der Bar  angekommen staunt der andere nicht schlecht. “Es ist kaum zu glauben, es muss ein Zufall gewesen sein”.

“Wenn Du mir nicht glaubst, mache ich es noch einmal”, sagt der Erste und springt wieder aus dem Fenster. Im 10. Stock bläst der starke Wind und er fliegt wieder ums Gebäude herum ins Fenster hinein. Oben angekommen, nach einer Reihe weiterer Gläser Alkohol, schlägt er dem Anderen vor, es doch auch einmal zu probieren. Dieser geht entschlossen zum Fenster und stürzt nach unten. In kolossaler Geschwindigkeit fliegt er hinunter: 11.Stock, 10. Stock, 9.Stock…  –  knallt auf die Straße – tot.

Oben dreht sich der Barkeeper zu dem Verbliebenen um und sagt: “Eines muss ich Dir mal sagen, Superman, wenn Du gesoffen hast, bist Du wirklich ein Riesenarschloch”.